Waldorfseminar Hamburg
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Das atemberaubende Tempo Shanghais: Impressionen aus dem Land der Mitte

In den vergangenen Monaten haben wir die Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern in China weiter intensiviert. Am Lehrerseminar für Waldorfpädagogik in Hsinchu, Taiwan, hatte unser Kollege Gunter Keller dabei die Gelegenheit, Lehrveranstaltungen zur Erkenntnistheorie und der Bedeutung von Wahrnehmen und Denken für das Lernen in der Schule zu geben. Gemeinsam mit Yachin Kong, Head of the Office der Universität Hsinchu, reiste er auch nach Shanghai. Die ersten Eindrücke aus einer Stadt, „in der so viele Menschen leben, wie in ganz Taiwan“, hat Gunter Keller für uns festgehalten:

Lily Hisia, eine Taiwanesin, die seit vielen Jahren in China lebt und eine Waldorfschule gründen will, holte uns vom Flughafen ab und wir kämpften uns durch die überfüllten, sechsspurigen Straßen der Megametropole. Wie Arm und Reich, Moderne und Altertum in dieser Stadt zusammentreffen, stimmt nachdenklich. In den daoistischen Tempeln, in einem alten chinesischen Handwerkerviertel, das vollkommen renoviert worden ist, kommen die ästhetischen, schönen Seiten dieser asiatischen Großstadt zum Vorschein. Beindruckend auch Pudong, das Viertel am Huangpu Jiang River: Am Ufer stehen die alten Gebäude aus der britischen Kolonialzeit, prachtvolle Bauten, die an London und die Themse erinnern. Und am gegenüberliegenden Ufer funkeln die Leuchtreklamen der großen Türme wie dem Oriental Pearl TV Tower, dem Mirae Asset Tower und den vielen anderen Gebäuden. Hier präsentiert sich die reiche und moderne Seite Shanghais. Aber man muss nicht weit gehen, um das andere Shanghai zu finden, das Shanghai der Menschen, denen das Leben in unserem globalen Zeitalter bisher kein Glück gebracht hat. Die Menschen müssen schnell lernen, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Das stellt auch die Waldorfschulen, die es in China schon gibt und die, die noch gegründet werden, vor große Herausforderungen.

In drei Jahren soll am Rande Shanghais, am Ufer des Jangtse River, ein komplett neues Viertel samt einer Waldorfschule entstehen. Die Initiatorin Lily Hisia und weitere 25 engagierte Lehrer und Eltern möchten jetzt damit beginnen, Lehrerinnen und Lehrer für die neu zu gründende Schule auszubilden. Aus diesem Grund hat sich die Gruppe an das Center for Waldorfeducation der pädagogischen Hochschule von Hsinchu und das Seminar für Waldorfpädagogik in Hamburg gewandt. Beide Institutionen sollen den Lehrerkurs zusammen durchführen und ein kleines Lehrerseminar in Shanghai gründen. Da an dem Willen und auch an den Möglichkeiten, dieses Vorhaben umzusetzen, kein Zweifel besteht, wollen wir die Initiative sehr gerne in Zukunft unterstützen.

Immer wieder ist es ein spannendes Unterfangen, die Inhalte der Waldorfpädagogik ins Gespräch zu bringen und so für eine menschengemäße und menschliche Pädagogik eintreten zu können. Dies kann in einem anderen Land aber nur gelingen, wenn man den kulturellen Kontext und damit die Geistesgeschichte des Kulturraumes mit berücksichtigt. 5000 Jahre Geschichte und eine unermesslich reichhaltige und tiefgründige Kultur stehen vor einem und man wird Zeuge, wie diese in die neuzeitliche Moderne katapultiert wurde und wird. Dass der erste Lehrerkurs zur Waldorfpädagogik nach einer nur dreimonatigen Vorbereitungszeit mit ca. 25 Teilnehmern bereits Anfang 2017 beginnen wird, zeigt wie ernst es den Initiatoren mit ihrem Vorhaben ist. Auf die Aufgabe, dieses Projekt begleiten zu dürfen, freuen wir uns sehr.