Waldorfseminar Hamburg
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„Von einander – mit einander lernen“

Studierende vermitteln Grundlagen der Waldorfpädagogik

In den Dialog treten und Erlerntes im Weitergeben ausprobieren – dazu haben Studierende des zweiten Studienjahres jetzt im Rahmen des Programms „Neues Lernen“ Gelegenheit. Denn sie vermitteln Grundlagen der Waldorfpädagogik. Der Gedanke: Als Vorbereitung auf die künftige Lehrtätigkeit gestalten Studenten Unterrichtseinheiten für Studierende des ersten Studienjahres. Über ihre Erfahrungen mit dem neuen, handlungsorientierten Lehrkonzept berichtet Christina Wortmann, die im zweiten Jahr ihrer Ausbildung im Halbtagsstudium ist.

„Die Idee zu dieser neuen Methode stieß in unserem Kurs auf offene Ohren. So begann das Studienjahr also gemeinsam. Ich konnte mich noch gut daran erinnern, wie es damals für mich gewesen war, als ich in die Welt der Waldorfpädagogik einstieg, ohne vorherige Berührungspunkte mit ihr gehabt zu haben. Ich war offen für alles und restlos überfordert. Nach kurzer Zeit schwirrte mir im Angesicht der philosophisch anthroposophischen Texte Steiners der Kopf.

Das ein oder andere Mal wäre es sicherlich hilfreich gewesen, jemanden, der kein Dozent war, in greifbarer Nähe zu haben, dem man (auch vermeintlich dumme) Fragen hätte stellen können, ohne direkt im Erdboden versinken zu wollen. Jemanden, der vor nicht allzu langer Zeit in eben genau der gleichen Situation gewesen war, wie man selber. Wir waren aber nicht nur Ansprechpartner für die neuen Studierenden, wir versuchten uns auch in der Vermittlung Steiner‘scher Texte. Womit wir beim Kern der neuen Lern–Methode angekommen wären. Die eigentliche Zusammenarbeit bestand nämlich in der Erarbeitung des Werkes „Grundlagen einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“. Wir verbrachten vier sehr lehrreiche Wochen in Gruppenarbeit damit, uns Kapitel für Kapitel zu erschließen und zu diskutieren. In der Vor- und Nachbereitung mit unserem Dozenten Gunter Keller intensivierten wir die Inhalte der einzelnen Kapitel weiter und arbeiteten Schwerpunkte und Fragestellungen heraus, die wir an die Studierenden des ersten Studienjahres herantragen oder aus ihnen herauskitzeln wollten.

Ich als „alter Hase“ habe mich mit dieser neuen Methode sehr wohl gefühlt. Schon in den vier Wochen habe ich an mir und an der Gruppe Veränderungen bemerkt. Durch die intensive Arbeit in den kleinen Gruppen, sowohl mit dem erfrischend anders konstituierten B – Kurs als auch in der wohligen Vertrautheit des A – Kurses, erkannte ich, wie sich die bis dahin erarbeiteten Inhalte des Studiums in mir verankert hatten. Wie viel Verständnis ich für diese nicht selbstverständlichen oder alltäglichen Themen bereits entwickelt hatte, ohne es bewusst bemerkt zu haben.

Außerdem brachte diese Methode des neuen Lernens die Kurse auf einer ganz anderen Ebene zusammen als es bei den vorigen Jahrgängen der Fall gewesen war. Für das Gemeinschaftsgefühl war diese Zusammenarbeit mindestens so wertvoll wie für jeden Einzelnen, der sich in dieser Zeit vielleicht sogar das erste Mal wirklich mit den Hintergründen der Waldorfpädagogik auseinandergesetzt hat. „Von einander – mit einander lernen“ so würde ich diese Methode des „neuen Lernens“ nennen, die wir erfolgreich testen konnten.“


„Ich entdecke verschüttete Fähigkeiten“ – Impressionen einer Master-Studentin

Mit dem neuen Studienjahr startet auch der Master-Studiengang zum Oberstufenlehrer. Das in Kooperation mit der Freien Hochschule Stuttgart entwickelte Angebot richtet sich speziell an Bachelor-Absolventen, die sich mit dem Studiengang zum Oberstufenlehrer qualifizieren können.

Monika Z. ist eine von ihnen. Für die Journalistin ist die Entscheidung zum Masterstudium ein spannender Perspektivwechsel. Der Gedanke, umzusteigen, etwas Neues anzupacken, war in ihr schon länger gereift. „Ich hatte in den vergangenen Jahren immer häufiger bei meiner Arbeit als Journalistin ein ungutes Gefühl. Die Branche ist ja sehr in Bewegung, die Arbeit wird immer entseelter, seichter. Der Druck, schneller und effektiver als die Konkurrenz zu sein, ist gewachsen“, erklärt Monika Z. „Es gibt kaum noch Raum und Zeit für gute Recherche, die ja eine wichtige Voraussetzung für die Funktion der Medien als vierte Instanz im Staat ist.“

Das neue Studienangebot gab schließlich den entscheidenden Impuls. „Ich kann jetzt meinen Wunsch, mich akademisch weiter zu qualifizieren mit einer neuen Berufsperspektive verbinden.“ Die ersten Wochen bestärken sie darin, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Ich mag die Atmosphäre am Seminar, die Dozenten, die Gruppe.“ Etwas genauer vielleicht? Sie lacht. „Naja, mir gefällt die Vielfalt. Der Wechsel von künstlerischen und handwerklichen Unterrichtseinheiten mit fachdidaktischen Themen ist das erste, was mir dabei konkret einfällt. Sich auch mal auf etwas einzulassen, was ich mir gar nicht zugetraut hätte.“

Dabei zeigt sie – nicht ohne Stolz – auf ihre plastizierte Frauenfigur. „Da habe ich sogar Schwierigkeiten gehabt, meine Figur nach der Stunde stehen zu lassen. Und mich dabei ertappt, wie ich mich von ihr bis zur nächsten Unterrichtseinheit gewissermaßen verabschiede.“ In ihren Erzählungen – über Mittagspausen, in denen Studenten und Dozenten reihum für die Verpflegung zuständig sind, über unterschiedliche Biographien, von denen sie dabei viel erfährt – schwingt auch ein wenig typisch journalistische Neugier mit.

Spannend und vielfältig seien die Begegnungen – auch mit sich selbst. „Ich entdecke gerade verschüttete Fähigkeiten in mir“, verrät die dreifache Mutter. „Das Kind kommt da wieder durch.“ Monika Z. scheint sich am Seminar eingelebt zu haben. „Man sitzt nicht nur in der Uni, sondern wird mit allen Sinnen angesprochen. Wir sind hier ein wenig wie eine Schulklasse mit der ganzen Bandbreite, die man so aus einem Klassenverband kennt.“ Klingt nach Warmlaufen für den späteren Berufsalltag….