Waldorfseminar Hamburg
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Schulpraktische Einblicke in die inklusive Waldorfpädagogik

Inklusion inklusive – so ließe sich der neue Ansatz zusammenfassen, der seit September 2017 allen Studierenden am Hamburger Seminar einen Einblick in Methodik und Didaktik der inklusiven Waldorfpädagogik ermöglicht. Mit ihrem Umzug nach Hamburg bringt die Dozentin Maud Beckers dazu eine entscheidende Expertise aus Berlin mit: Gemeinsam mit Volker Heimann hat sie in den vergangenen 15 Jahren an der Freien Waldorfschule Kreuzberg maßgeblich an der Entwicklung einer inklusiven Waldorfpädagogik mitgewirkt.

Für Konstanze Oesker kam dieser inklusive Ansatz wie gerufen. „Das war sofort mein Thema.“ Denn die Sozialarbeiterin hatte nach ihrem Bachelorabschluss bereits mit unterschiedlichen Klassenstufen und Jugendgruppen gearbeitet. Als glückliche Fügung stellte sich deshalb die Wahl ihres Studiengangs heraus: Sie entschied sich für das Berufsziel Klassenlehrerin mit Wahlfach Handarbeit. „So habe ich von Anfang an einen tieferen Einblick in die inklusive Waldorfpädagogik bekommen, weil Frau Beckers das Fach Handarbeit komplett nach der inklusiven Methode unterrichtet.“ Doch damit nicht genug. Vor allem die an der Kreuzberger Waldorfschule entwickelte Methode der Selbstlernenden Gruppe weckte Konstanze Oeskers Neugier. „Frau Beckers hat viel von der Schule erzählt,“ sagt die 28-Jährige, die selber eine Waldorfschule besucht und dort 2009 ihr Abitur gemacht hat.

Wie wird inklusive Waldorfpädagogik an einer Schule praktiziert und wie gelingt Unterricht in einer selbstlernenden, nicht lehrerzentrierten Gruppe, fragte sich die Studierende. Für das zweite Schulpraktikum bewarb sich Konstanze Oesker daher an der Freien Waldorfschule Kreuzberg. Die Atmosphäre in einer dritten Klasse, deren Hauptunterricht sie in den drei Praktikumswochen erleben konnte, sei sehr harmonisch gewesen. “Die Lehrerinnen haben sich im Team-Teaching die Schreibepoche aufgeteilt und waren wirklich auf einer Augenhöhe“, sagt Konstanze Oesker. Deutlich wird der Unterschied zur klassischen Unterrichtsmethodik, wenn die junge Studierende von ihren Beobachtungen aus der selbstlernenden Gruppe erzählt. „Für die Schüler war ganz klar, dass sie sich gegenseitig Hilfestellung geben können und die Lehrer nicht notwendig gefragt werden müssen.“

Ganz besonders ist ihr eine Szene im Gedächtnis geblieben, bei der ein Achtjähriger nicht wusste, wie sich ein Gerüst perspektivisch zeichnen lässt. Dreidimensionales Zeichnen sei ja in der dritten Klasse eigentlich noch kein Thema, so Konstanze Oesker. Aber ein Mitschüler habe sofort gesagt „das heißt doch 3D, das kann ich, das zeige ich Dir!“ „So schnell, wie die das organisiert hatten, konnten wir Erwachsenen gar nicht darauf antworten. Und plötzlich wuselten alle Kinder und haben sich in ihren Kompetenzen unterstützt. Das war schon erlebbar, dass da eine ganz andere Stimmung war.“ Der Input komme zwar auch vom Lehrer, aber schon im morgendlichen Stuhlkreis haben die Kinder das erste Wort, schildert die 28-Jährige und berichtet dann von der Chemieepoche in einer siebten Klasse, in der es um Säure und Basen ging. „Viele Versuche konnten die Schüler in zweier Gruppen selber machen. Sie haben dann auch mal ausprobiert was passiert, wenn sie sich nicht an das Experiment halten…“ Die Möglichkeit, an den eigenen Fehlern zu lernen, sei ein weiterer positiver Aspekt der Selbstlernenden Gruppe.

Jeder ist in seinem Sosein richtig wie er ist und das ist gut so – zurück aus Berlin fühlt sich Konstanze Oesker bestärkt, an dieser Haltung weiter zu arbeiten. Inklusives Denken und Handeln beziehe sich nicht nur auf den Umgang mit Kindern und Jugendlichen, sondern auch auf den mit Kollegen und Eltern, sagt sie. „Ich denke, das ist eine weitere Herausforderung.“ Das Studium Inklusion inklusive sei auf alle Fälle genau richtig für sie, betont die angehende Klasselehrerin und fügt hinzu: „Ich muss hier über die Basis, also den Blick auf den Menschen, nicht diskutieren.“.