Waldorfseminar Hamburg
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Waldorflehrer werden – eine Perspektive für mich?

Wer sich zum Auftakt der diesjährigen Offenen Studientage am 8. Februar auf den Weg in die Hufnerstraße machte, war auf der Suche nach Antworten auf diese Frage. Eine bunte Schar Neugieriger folgte dabei der Einladung, ein paar Stunden Seminarluft zu schnuppern.

In ihrem Einführungsvortrag versuchte Maud Beckers eine erste Antwort zu geben. „In jedem Menschen steckt ein Könner“, so die Dozentin für Inklusionspädagogik, Kunst und Handarbeit und bezog sich damit auf einen Grundsatz in der Waldorfpädagogik, nach dem jedes Kind ein Könner ist.„Auf Sie warten viele tolle Kinder und die Schulen brauchen Sie!“

Zunächst einmal brauchten die Besucher des Studientages aber eine Vorstellung davon, welches Berufsziel zu ihnen passt. In der nächsten Runde ging es deshalb um die unterschiedlichen Anforderungen und Tätigkeiten von Klassen-, Fach- und Oberstufenlehrern. „Nicht jeder, der zu unseren Studientagen kommt, hat schon eine Vorstellung vom Berufsalltag eines Waldorflehrers“, sagt Jürgen Lohmann, Dozent und ehemaliger Klassenlehrer. „Wir stehen da gerne Rede und Antwort.“ Er habe den Eindruck, dass eine wichtige Botschaft der Studientage vor allem bei Quereinsteigern ankomme: „Ich bin hier willkommen, auch wenn ich nicht ein Lehramts-oder Pädagogikstudium absolviert habe. Und es erkundigen sich immer mehr Bachelorabsolventen nach unseren Masterstudiengängen“, beoabachtet der Dozent.

Im Erleben begreifen, hieß es im dritten Teil des Abends. Denn ebenso wie Kinder an Waldorfschulen mit Herz, Kopf und Hand lernen, können die Studientags-Teilnehmer in künstlerisch-kreative Prozesse eintauchen. Auch wenn die Wahl zwischen den Workshops zu Musik, Kunst und Sprachgestaltung nicht gleich zur Qual wurde, fiel sie manchem schwer.

„Zwo, vier, sechs…“ zählt Benedikt Burghardt die Musik-Workshopteilnehmer durch. „Dann kommen mal sechs Kinder nach vorne, also Sie“ – die Bemerkung des Dozenten erntet Gelächter, die Stimmung im Raum ist heiter gespannt. Dann sind die sechs aufgefordert, eine (Klang)-Geschichte nachzuspielen. Benedikt Burghardt stellt Instrumente auf den Tisch, teilt Zweiergruppen ein, erklärt, spielt, scherzt. Nacheinander stimmen die Teilnehmer in selbstgewählte Melodien ein, finden, zunächst zaghaft, einen eigenen Weg…

Im ersten Stock haben sich derweil sieben „Künstler“ mit Unterstützung von Maud Beckers auf eine Entdeckungsreise durch Farben und Formen gemacht. „Schauen Sie, wie sich das verändert“, sagt die Dozentin. Staunend, nahezu ehrfürchtig blickt die Gruppe auf die entstehenden Bilder. Am Ende kommen sie miteinander ins Gespräch: Das Bedürfnis, sich über die Stunde auszutauschen ist groß.

Ob der Beruf Waldorflehrer eine Perspektive für sie ist, dass wissen nach den drei Stunden sicherlich noch nicht alle, aber ein Funke ist bei vielen übergesprungen. „Am meisten hat mich begeistert, mit welcher Freude die Dozenten und Mitarbeiter uns Waldorfpädagogik nähergebracht haben“, sagt eine Besucherin am Ende des Abends.