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Waldorfseminar Hamburg
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Hamburg feiert 100 Jahre Waldorfpädagogik

Im wahrsten Sinne ein voller Erfolg: Mit rund 10.000 Besucher*innen zählt die Feier am 13. September in Hamburg zu den weltweit größten Jubiläumsfesten zu 100 Jahre Waldorfschule. Fröhlich, ausgelassen und inspirierend war die Stimmung auf der Rollschuhbahn und in der Laeiszhalle. Vom frühen Vormittag bis in den späten Abend feierten Lehrer, Schüler, Eltern und Gäste gemeinsam.

Wir waren dabei! Mit einem Infostand auf der Rollschuhbahn und einem Podiumsgespräch im Rahmen der Veranstaltungen im kleinen Saal der Laeiszhalle. Gunter Keller, Dozent und Vorstand des Seminars und Gerald Häfner, Leiter der sozialwissenschaftlichen Sektion im Goetheanum Dornach und ehemaliges Mitglied im Europäischen Parlament diskutierten zum Thema “Die Welt verändern: Herausforderung Pädagogik”.

Können wir heute, nach 100 Jahren, noch aus den Impulsen Rudolf Steiners schöpfen, lautete die Eingangsfrage des Gesprächs. „Das Schicksal der Menschen und die Zukunft dieser Erde ist in unsere Hände gelegt. Das ist neu“, betonte Gerald Häfner. Mehr denn je sei es daher notwendig, Verantwortung zu übernehmen. Wie Waldorfpädagogen heute junge Menschen auf diese Aufgabe vorbereiten, darum drehte sich die anschließende Diskussion.

Gerald Häfner antwortete mit einem Zitat Steiners, der bei der Gründung der ersten Waldorfschule gesagt hatte: „Betrachten Sie diese Gründung als nicht erfolgt, wenn sie nicht der Auftakt ist zur Befreiung des Bildungswesens insgesamt.“ Damals sei es darum gegangen, das Bildungswesen vom Klerus, von der Kirche und vom Staat zu befreien, so Häfner. Heute sei es zunehmend notwendig, das Bildungswesen von der Wirtschaft zu befreien; von ökonomischen Einflüssen, die bestimmen, wie man junge Menschen haben wolle.

Jede Waldorfschule sei ein Versuch, Freiheit in der eigenen Entwicklung mit Verantwortung für die Welt zu verbinden, sagte Häfner. „Es geht darum, junge Menschen zu befähigen, die Verhältnisse zu verwandeln und die Welt aus Freiheit zu gestalten.”

Von einem Umsetzungsproblem sprach dabei Gunter Keller. “Wir wissen beispielsweise alles über den Klimawandel, aber wir können es nicht umsetzen.“ Tätig werden, ins Handeln kommen, sei von Beginn an ein zentraler Bestandteil der Waldorfpädagogik.

Zum Abschluss des lebhaften Austauschs gaben die Gesprächspartner es ein paar Wünsche für die nächsten 100 Jahre mit auf den Weg. Dabei warnte der Gast aus Dornach davor, sich nicht mit der Nische zu begnügen, in der Waldorfpädagogik sich bisweilen eingerichtet hat. Er beobachte auch eine Neigung zu einer Spezialsprache und dazu nur noch untereinander zu kommunizieren. „Waldorfpädagogik gehört nicht nur in die Waldorfschule, sondern in die großen pädagogischen und Erziehungsdebatten dieser Welt.“