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Waldorfseminar Hamburg
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In Korrespondenz mit der Welt

Spielen ist keine bloße Spielerei – darüber sind sich Wissenschaftler und Pädagogen einig. In der pädagogischen Praxis hat das Spiel dennoch an Wert verloren.

„Vor diesem Hintergrund haben wir das “kindliche Spiel“ zum Thema unserer Fachtagung gemacht“, sagt Bernadette Lange, Heilpädagogin und Dozentin im Fachbereich Erzieherbildung. „Denn das Spiel hat eine tiefe Bedeutung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Über das Spiel kommen Kinder in Bewegung, entwickeln ihre Geschicklichkeit und Kreativität.“ Die Initiatorin der Tagung hat sich über Jahrzehnte in ihrer Arbeit mit Kindern mit der Frage des Spiels beschäftigt.

Dabei konnte sie beobachten, wie stark Kinder im Spiel in Auseinandersetzung mit der Welt sind. Durch das Spiel setzt sich das Kind individuell mit seiner Umwelt auseinander, um sie zu erforschen, zu begreifen und zu erobern. Wenn Kinder sich spielend ausdrücken, agieren und reagieren sie gleichermaßen, weil sie im Spiel etwas bewegten, so Lange. „Spiel ist eine unglaubliche Hingabe an etwas – im Spiel sind Kinder ganz bei sich und gleichzeitig draußen.“

Als Heilpädagogin hat Bernadette Lange aber auch erfahren, was es bedeutet, wenn Kinder aufgrund ihrer Entwicklung diesen Spielimpuls nicht in vollem Maße zum Ausdruck bringen können. „Im Spiel merkt man, wie schwierig es für Kinder mit Einschränkungen ist, sich auf diese Weise auszudrücken.“ Spiel sei also nicht nur „eine Randerscheinung in der Entwicklung des Menschen“, sondern gehöre elementar zum Menschsein. Vor allem im Umgang mit Krippenkindern hat Bernadette Lange außerdem erlebt, wie sich freies Spiel entwickelt und wie wichtig eine „gute“ Spielumgebung ist.

Das freie Spiel als großes Ideal – auch erfahrene Pädagogen stellen fest, dass das Spiel in dieser Form häufig nicht mehr möglich ist. Weil Kinder zu unruhig und übergriffig sind, sich eher körperlich als verbal äußern, sind Pädagogen oftmals gefordert, im Alltag mehr Anleitung zu geben. „Wir beobachten, dass sich das Spiel der Kinder auch durch die zunehmende Digitalisierung verändert.“

Diese Erfahrungen und Erlebnisse gaben der Dozentin und ihren Kolleginnen den Impuls zu der Tagung. Wo liegt die Quelle des Spielimpulses, wie nehmen wir ihn wahr und wie pflegen wir ihn? Mit zahlreichen Vorträgen und einem umfangreichen Arbeitsgruppenangebot können die Teilnehmer diese Fragen miteinander erarbeiten, vertiefen und diskutieren.

Die Referenten und Dozenten verfügen über umfangreiches Wissen und tiefe Erfahrungen. Das Spektrum der Workshops reicht von neuesten Erkenntnissen der Neurologischen Entwicklung und der Resilienzforschung, über die Möglichkeiten durch das Spiel mit auffälligen Kindern in Kontakt zu kommen, bis zur Frage, wie die Mediennutzung der Kinder und Eltern die Aufgabe der Pädagogen verändert. Auch die eigene Spielbiographie der Teilnehmer zählt zu den vielfältigen Sichtweisen auf das Thema.

Um das Spiel als Menschenrecht und in der Evolutionsentwicklung, sowie die Rolle des Spiels im Hinblick auf Jugendliche mit Suchterfahrungen geht es in den Vorträgen. „Uns ist es wichtig, die Bedeutung des Spiels aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten – theoretisch wie praktisch“, sagt die Initiatorin. Das zweitägige Programm soll zur gemeinsamen Suche danach anregen, was die Spielquelle braucht, damit sie Ausdruck werden kann. Die Organisatorinnen verstehen die Tagung auch als konkrete Hilfestellung für den pädagogischen Alltag. Besonders am Herzen liegt Bernadette Lange deshalb der Marktplatz der Ergebnisse zum Abschluss der Tagung. „Am Ende muss ich wissen, was ich am nächsten Tag anders mache.“