Rückblick

Und dann kam Corona….

Die Frage nach den Pandemie-Auswirkungen stellt sich meist im Kontext bestehender Seminar- und Schulbetriebe. Dass die massiven Einschränkungen dieses Jahres auch waldorfpädagogische Projekte vor große Herausforderungen stellt, bekam die Gründungsinitiative der Interkulturellen Waldorfschule Wilhelmsburg zu spüren. Rückblick auf ein Jahr voller Überraschungen.

Die Zeichen stehen gut am Anfang des Jahres 2020. Die Schulbehörde gibt grünes Licht für die Gründung einer Waldorfschule ab Klasse 5. Damit ist der Weg zur ersten freien interkulturellen Waldorf-Stadtteilschule in Hamburg geebnet! Eine gute Nachricht, auch für die Kinder der Grundschule Fährstraße in Wilhelmsburg, die an dem noch bestehenden Schulversuch „das Beste aus zwei Welten“ teilnehmen, darunter viele aus dem Interkulturellen Waldorfkindergarten. Die Initiative ist sich schnell einig, sie will dem Vorschlag der Schulbehörde folgen. Auch in der Ganztagsschule Fährstraße wird die Nachricht mit großem Wohlwollen aufgenommen.

Vielversprechende Signale kommen auch von der Stadtentwicklungsbehörde, die kurz darauf zu einem Gespräch mit Teilnehmern aus mehreren Behörden einlädt. Und auch konzeptionell nimmt das Projekt Form an: Mit dem in Wilhelmsburg ansässigen Verein Hamburg-Towers beschließt die Gründungsinitiative, ein Bewegungskonzept zu entwickeln. Das pädagogische Konzept soll schnellstmöglich überarbeitet und publiziert, die Internet-Aufmachung aktualisiert werden. Rechtzeitig zur Frühjahrstagung der Hamburger Waldorfschulen in Bergedorf liegt auch der neue Flyer frisch gedruckt am Infostand aus.

Kurz darauf lädt der Leiter des Fachamtes Stadt- und Landschaftsplanung zu einem runden Tisch im Bezirksamt Hamburg-Mitte ein. Fragen nach dem Stand des Vorbescheidsverfahrens für das in Aussicht gestellte Grundstück, dem Alleinstellungsmerkmal – ja oder nein, der Interimslösung usw. sollen gemeinsam erörtert und geklärt werden.

Und dann kommt Corona…. Der lang erwartete, wichtige Termin mit dem Bezirksamtsleiter muss abgesagt werden, der Termin mit dem Fachamtsleiter für Stadt- und Landschaftsplanung ebenfalls. Die geplanten Gespräche mit der Schul- und Stadtentwicklungsbehörde werden verschoben. Auch die Vorbereitungen zum Architektenwettbewerb und zum Auslobungsverfahren sind bereits gestoppt, als eine unerwartete Nachricht für Jubel in der Projektgruppe sorgt: Die Baubehörde hat den Vorbescheidsantrag für das Grundstück „Am Veringhof“ genehmigt – gekoppelt an einen Architektenwettbewerb mit 3 bis 5 Teilnehmern.

Doch der Dämpfer folgt wenig später. Eine Schule in freier Trägerschaft habe keinen Anspruch auf eine direkte Vergabe des Grundstücks, teilt der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen Hamburg mit. Folgeverhandlungen fallen pandemiebedingt auch hier aus, sodass das Ergebnis zur Zeit noch offen ist. Auch Beratungen über Alternativlösungen sollen nach der Pandemie weitergeführt werden.

Auf wachsende Unterstützung stößt das Projekt dagegen in der Hamburger Waldorfbewegung. Sehr positiv verläuft ein Treffen mit der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Hamburger Waldorfschulen nach den Sommerferien. Die LAG stimmt der Gründung einer interkulturellen Waldorfschule in Wilhelmsburg zu, die Rudolf Steiner Schulen in Harburg und Altona signalisieren ihre Bereitschaft, die pädagogische Patenschaft für die Neugründung zu übernehmen. Verstärkung erhält das Projektteam in der Öffentlichkeitsarbeit von der PR-Referentin des Hamburger Seminars, Rebecca Bernstein, und von Peter Steinle, Rudolf Steiner Schule Bergstedt, der die Neugründung bei Geschäftsführungstätigkeiten unterstützt.

Wie der Finanzbericht für das abgeschlossene Kalenderjahr 2019 zeigt, ist die finanzielle Lage des Vereins gut, sodass 2/3 der vorhandenen Mittel als Rücklagen für das kommende Bauvorhaben rückgestellt werden kann. Ein sehr herzlicher Dank geht in diesem Zusammenhang an die Unterstützer und treuen Förderer der Initiative.

Keine Frage – die Pandemie hat die Gründungsphase deutlich ausgebremst, mit erheblichen Auswirkungen auf den Zeitplan und den Eröffnungstermin der Schule, der frühestens 2022 möglich sein wird. Gleichzeitig werden aber auch positive Seiten sichtbar. Die zunehmende Unterstützung und das steigende Interesse für das Gründungsvorhaben, die wachsende Anzahl an Sachverständigen, die ihren Beitrag zur Weiterentwicklung leisten, die vorgesehene Rechtsformänderung zur Genossenschaft machen uns Mut, die Gründung einer interkulturellen Waldorfschule in und für Hamburg verwirklichen zu können. Für die fachkundige Mitarbeit bedanken wir uns hier bei Herrn Bernd Lundelius.

Wer auch künftig über den neuesten Stand der Entwicklungen informiert sein möchte: waldorfschule-wilhelmsburg.de