Inklusive Waldorfpädagogik

Zusatzqualifizierung

Zusatzqualifizierung Inklusionspädagog*in

Die Waldorfschule ist eine Schule, die von Anfang an für alle Schüler*innen gedacht war. Ihre Pädagogik bezieht sich einerseits auf die altershomogene Entwicklung des Menschen und geht andererseits auf die individuellen Begabungen eines jeden Menschen ein. In ihren Grundgedanken ist sie eine inklusive Schule.

In der Praxis, heute nach 100 Jahren, erkennen wir, dass uns der pädagogische Umgang im Spannungsfeld Diversität – Individualität längst nicht immer gelingt. Pädagogen und Pädagoginnen klagen über die steigende Anzahl „(verhaltens-)auffälliger“ und „schwieriger“ Kinder. In der pädagogischen Praxis wird darauf mit einer zunehmenden Differenzierungstendenz und einer enormen Erweiterung des pädagogischen Personals durch Assistenten, Hilfskräfte, Sonder-, Förder- und Sozialpädagogen reagiert.

Der Paradigmenwechsel Inklusion greift das Thema anders. Die ihm zugrunde liegende Frage lautet, wie viele Kinder uns mit ihren Begabungen so ausgeprägt entgegentreten müssen, dass wir uns den Herausforderungen der Zukunft wirklich stellen und dementsprechend handeln.

Der neue Ansatz am Seminar geht dabei davon aus, dass die Waldorfpädagogik in sich selbst die besten Voraussetzungen für eine inklusive Lebens- und Lernkultur bietet. Eine Vertiefung durch eine Dynamische Diagnostik eröffnet neue Perspektiven, mit der Verschiedenheit umzugehen und diese als Ressource für alle zu nutzen. Auf dieser Grundlage ist eine Methodik zur Gestaltung inklusiver Prozesse entstanden, die uns helfen kann, aus der Lehrerzentriertheit auszusteigen und neue Lernprozesse zuzulassen.

Eindrücke aus dem Studienalltag

An wen richtet sich das Angebot?

Das Angebot der Zusatzqualifizierung richtet sich an tätige Pädagogen und Pädagoginnen an Waldorf- und heilpädagogischen Schulen sowie an Studierende des Seminars für Hamburg.
Die Qualifikation zum/r Inklusionspädagogen/in kann als Haupttätigkeit oder als Ergänzung zu einer Klassen- bzw. Fachlehrertätigkeit genutzt werden.

Form und Dauer

Die nächste Fortbildung beginnt für tätige Lehrkräfte am 11.10.2021 mit einer Intensivwoche.

Die Teilnehmer*innen arbeiten in dieser Woche in Kleingruppen zu den Grundlagen der Inklusion. Im Anschluss werden die Fortbildungsinhalte jeweils freitags gemeinsam mit Studierenden und Seminaristen erarbeitet.

Im Modul „Inklusive Methodik“ wird stark praxisorientiert gearbeitet. Tätige Pädagog*innen können während der Fortbildung sowohl an den eigenen Fragen aus der Praxis konkret arbeiten als auch mit Studierenden und Seminaristen in der Praxis kooperieren.

So kann Gelerntes direkt in der Praxis erprobt und anschließend in der Fortbildung reflektiert und vertieft werden.

Die Fortbildung erstreckt sich über drei Semester, der Abschluss findet im Winter 2023 statt.

Berufsfelder

Der Inklusionspädagoge hat die Fähigkeit:
  • inklusive Methoden in einer Teamarbeit mit Klassen- und Fachlehrern in der Durchführung zu begleiten, sie zu reflektieren und diese in der Vorbereitung von Unterrichtssequenzen zu entwickeln.
  • eine dynamische Diagnostik anzuwenden, die es ermöglicht, die Barrieren zu erkennen, die einer Teilhabe der Schüler am Lernprozess im Wege stehen.
  • entwicklungsorientierte, individuelle Lernschritte der Schüler im Schulalltag einzubetten und zu koordinieren.
  • inklusive Standards im dynamischen Strukturprozess in der Organisation Schule zu entwickeln, für die inklusive Arbeit notwendige Ressourcen zu installieren und abzurufen.
  • den Unterrichtsprozess von diskriminierenden Zuschreibungen aller Art frei zu halten.

Studienfelder

I: Grundlagen inklusiver Methodik

  • Zeitgeist – Pluralität, Heterogenität, Globalisierung, UN Konvention
  • Historische Hintergründe – Gründung der ersten Waldorfschule und Entstehung der heilpädagogischen Schulen – die Entwicklung von Sonderschulen – Integrationsschulen – Inklusionsschulen im staatlichen Bildungssystem
  • Ethische Fragen in Bezug auf gesellschaftliche Zuschreibungen
  • Bedeutung der Pädagogik für die gesunde Entwicklung des Menschen
  • Paradigmenwechsel Inklusion – Grundverständnis als Leitmotiv

Kompetenzen

Die Studierenden können:
- die historische Entwicklung im Bildungssystem vor dem Hintergrund des Inklusionsgedanken, insbesondere innerhalb der Waldorf- und Heilpädagogik, kritisch reflektieren
- sich kritisch mit ethischen Fragen in Bezug auf gesellschaftliche Zuschreibungen und ihren Folgen auseinandersetzen
- sich kritisch mit den Grundbegriffen im Kontext des Paradigmenwechsels Inklusion auseinandersetzen
- die Bedeutung der inneren Haltung des/der Pädagogen/in anerkennen

Mehr lesen
Weniger lesen

II. Inklusive Methodik vor dem Hintergrund der Menschenkunde

  • Umgang mit Heterogenität in altershomogene Gruppen – die Menschenkunde als Wesenskern für alle
  • Dekonstruktion, Ermächtigung, Würdigung als Grundlage für inklusive Prozesse
  • Reflexionsprozesse und Bewertung
  • Die Selbstlernende Gruppe als Metamethode (Soziale Prozesse und Lernprozesse)
  • Rolle aller Akteure im Unterricht, Arbeiten im Team
  • Schulung an der eigenen Praxis: Reflexionsprozesse als Instrument zur Vorbereitung inklusiver Unterrichtssequenzen
  • Verhaltensweisen von Individuen und Gruppen beobachten und deuten

Kompetenzen

Die Studierenden können:
- die Menschenkunde als Kern für eine altershomogene Gruppe durchdringen und inklusive Unterrichtssequenzen anlegen, durchführen und diese weiterentwickeln.
- ihre Praxiserfahrungen vor dem Hintergrund des Paradigmenwechsels Inklusion kritisch reflektieren.
- das inklusive Setting der Heterogenität dynamisch anpassen im inklusiven Setting eine Methodenvielfalt anwenden.
- das Verhalten einer Schülergruppe wahrnehmen und in Zusammenhang zum Prozess und der Qualität des Unterrichts setzen.
- im Team Unterrichtssequenzen anlegen, durchführen und reflektieren die Reflexion der eigenen Praxis für die Weiterentwicklung und Vorbereitung von Folgesequenzen nutzen.

Mehr lesen
Weniger lesen

III. Dynamische Diagnostik

  • das Wesen des Menschen in einem fortlaufenden, dynamischen Prozess erforschen*
  • Heilpädagogischer Kurs als Grundlage – Krankheit-Gesundheit, der Viergliedriger Mensch, Inkarnationsgedanken, Phänomenologie der Wesensglieder, Metamorphoselehre, Diagnose: durch Schauen, Waldorfpädagogik als Heilung
  • Grundphänomene übertragen auf die zeitgemäßen Begrifflichkeiten
  • Das karmische Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer
  • Schülerbetrachtung und Kinderbesprechung als Entwicklungsprozess
  • Verhältnis Therapieformen, Fördermaßnahmen und inklusiver Waldorfpädagogik

Kompetenzen

Die Studierenden können:
- mit den erworbenen Kenntnisse das Wesen eines Menschen ersuchen, ohne auf
eine standarisierte Diagnostik zugreifen zu müssen
- sich mit dem karmischen Gedanken von Rudolf Steiner auseinandersetzen und
diese als Grundgedanken für die Wesensbeschreibung des Menschen
anwenden
- eine dynamische Diagnostik durchführen und diese als gemeinsamen Prozess
mit mehreren Pädagogen in einem individuellen Entwicklungsplan anlegen,
kommunizieren und verantworten
- unterscheiden zwischen therapeutischen, Förder- und pädagogischen
Maßnahmen und diese im schulischen Zusammenhang einordnen und
koordinieren

Mehr lesen
Weniger lesen

IV. Schulentwicklung

  • Umgang mit den Ressourcen
  • Umgang mit dynamischen Prozessen – Wirkungen auf Struktur, Kultur und
    Praktiken an einer Waldorf- und/oder heilpädagogischen Schule.
  • Vernetzung Schule und Außenwelt – außerschulische Lernorte, Qualifikationen,
    berufsvorbereitende Maßnahmen usw.

Kompetenzen

Die Studierenden können:
- die Ressourcen der pädagogisch tätigen Akteure erkennen, einschätzen und
für den Unterricht sinnvoll zusammenführen
- Veränderungs- und Umsetzungsprozesse innerhalb einer Organisation
reflektieren, auswerten und die daraus folgenden notwendigen Schritte
einschätzen
- in verschiedenen Settings die jeweils passende Kommunikationstechnik
anwenden
- außerschulische Lernorte denken und planen
Alternativen zu den staatlichen Abschlüssen anbieten, berufsvorbereitende
Maßnahmen planen und einleiten

Mehr lesen
Weniger lesen

V. Kunst als Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit

  • Audiopädie: Hörkunst – Schulung des Hörens
  • Entfaltung Schöpferischer Kräfte durch lebendiges Formzeichnen
  • Embodiment: Denken in Bewegung

Kompetenzen

Die Studierenden können:
- Übungen selbst durchführen und integrieren mit dem Ziel, die eigene Wahrnehmungsfähigkeiten zu schulen

Mehr lesen
Weniger lesen
Warning: Invalid argument supplied for foreach() in rex:///module/6/output on line 7

Umfang und Kosten

Der Aus- und Fortbildungsgang startet jährlich nach den Sommerferien und dauert 3 Semester. Er findet ganztägig am Freitag statt. Das erste Studienjahr umfasst ca. 30 Freitage, das zweite Studienjahr 18 Freitage.

In den Ferien und an den schulfreien Tagen finden keine Lehrveranstaltungen statt.

Die Teilnahmegebühr beträgt 800,00 € pro Semester.

Termine & Anmeldung