Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Seminarbetrieb

Waldorfseminar Hamburg
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Zusatzqualifizierung Inklusionspädagoge*in

Die Waldorfschule ist eine Schule, die von Anfang an für alle Schüler*innen gedacht war. Ihre Pädagogik bezieht sich einerseits auf die altershomogene Entwicklung des Menschen und geht andererseits auf die individuellen Begabungen eines jeden Menschen ein. In ihren Grundgedanken ist sie eine inklusive Schule.

In der Praxis, heute nach 100 Jahren, erkennen wir, dass uns der pädagogische Umgang im Spannungsfeld Diversität – Individualität längst nicht immer gelingt.
Pädagogen und Pädagoginnen klagen über die steigende Anzahl „(verhaltens-)auffälliger“ und „schwieriger“ Kinder. In der pädagogischen Praxis wird darauf mit einer zunehmenden Differenzierungstendenz und einer enormen Erweiterung des pädagogischen Personals durch Assistenten, Hilfskräfte, Sonder- Förder- und Sozialpädagogen reagiert.

Der Paradigmenwechsel Inklusion greift das Thema anders. Die ihm zugrunde liegende Frage lautet, wie viele Kinder uns mit ihren Begabungen so ausgeprägt entgegentreten müssen, dass wir uns den Herausforderungen der Zukunft wirklich stellen und dementsprechend handeln.

Der neue Ansatz am Seminar geht dabei davon aus, dass die Waldorfpädagogik in sich selbst die besten Voraussetzungen für eine inklusive Lebens- und Lernkultur bietet. Eine Vertiefung durch eine Dynamische Diagnostik eröffnet neue Perspektiven, mit der Verschiedenheit umzugehen und diese als Ressource für alle zu nutzen. Auf dieser Grundlage ist eine Methodik zur Gestaltung inklusiver Prozesse entstanden, die uns helfen kann, aus der Lehrerzentriertheit auszusteigen und neue Lernprozesse zuzulassen.

Eindrücke aus dem Studienalltag

An wen richtet sich das Angebot?

Das Angebot der Zusatzqualifizierung richtet sich an tätige Pädagogen und Pädagoginnen an Waldorf- und heilpädagogischen Schulen sowie an Studierende des Seminars für Hamburg.
Die Qualifikation zum/r Inklusionspädagogen/in kann als Haupttätigkeit oder als Ergänzung zu einer Klassen- bzw. Fachlehrertätigkeit genutzt werden.

Berufsfeld

Der Inklusionspädagoge hat die Fähigkeit:

  • inklusive Methoden in einer Teamarbeit mit Klassen- und Fachlehrern in der Durchführung zu begleiten, sie zu reflektieren und diese in der Vorbereitung von Unterrichtssequenzen zu entwickeln.
  • eine dynamische Diagnostik anzuwenden, die es ermöglicht, die Barrieren zu erkennen, die einer Teilhabe der Schüler am Lernprozess im Wege stehen.
  • entwicklungsorientierte, individuelle Lernschritte der Schüler im Schulalltag einzubetten und zu koordinieren.
  • inklusive Standards im dynamischen Strukturprozess in der Organisation Schule zu entwickeln, für die inklusive Arbeit notwendige Ressourcen zu installieren und abzurufen.
  • den Unterrichtsprozess von diskriminierenden Zuschreibungen aller Art frei zu halten.

Studienfelder

  • I. Grundlagen inklusiver Methodik

    • Zeitgeist – Pluralität, Heterogenität, Globalisierung, UN Konvention
    • Historische Hintergründe – Gründung der ersten Waldorfschule und Entstehung der heilpädagogischen Schulen – die Entwicklung von Sonderschulen – Integrationsschulen – Inklusionsschulen im staatlichen Bildungssystem
    • Ethische Fragen in Bezug auf gesellschaftliche Zuschreibungen
    • Bedeutung der Pädagogik für die gesunde Entwicklung des Menschen
    • Paradigmenwechsel Inklusion – Grundverständnis als Leitmotiv

    Kompetenzen

    Die Studierenden können:
    - die historische Entwicklung im Bildungssystem vor dem Hintergrund des Inklusionsgedanken, insbesondere innerhalb der Waldorf- und Heilpädagogik, kritisch reflektieren
    - sich kritisch mit ethischen Fragen in Bezug auf gesellschaftliche Zuschreibungen und ihren Folgen auseinandersetzen
    - sich kritisch mit den Grundbegriffen im Kontext des Paradigmenwechsels Inklusion auseinandersetzen
    - die Bedeutung der inneren Haltung des/der Pädagogen/in anerkennen

  • II. Inklusive Methodik vor dem Hintergrund der Menschenkunde

    • Umgang mit Heterogenität in altershomogene Gruppen – die Menschenkunde als Wesenskern für alle
    • Dekonstruktion, Ermächtigung, Würdigung als Grundlage für inklusive Prozesse
    • Reflexionsprozesse und Bewertung
    • Die Selbstlernende Gruppe als Metamethode (Soziale Prozesse und Lernprozesse)
    • Rolle aller Akteure im Unterricht, Arbeiten im Team
    • Schulung an der eigenen Praxis: Reflexionsprozesse als Instrument zur Vorbereitung inklusiver Unterrichtssequenzen
    • Verhaltensweisen von Individuen und Gruppen beobachten und deuten

    Kompetenzen

    Die Studierenden können:
    - die Menschenkunde als Kern für eine altershomogene Gruppe durchdringen und inklusive Unterrichtssequenzen anlegen, durchführen und diese weiterentwickeln.
    - ihre Praxiserfahrungen vor dem Hintergrund des Paradigmenwechsels Inklusion kritisch reflektieren.
    - das inklusive Setting der Heterogenität dynamisch anpassen im inklusiven Setting eine Methodenvielfalt anwenden.
    - das Verhalten einer Schülergruppe wahrnehmen und in Zusammenhang zum Prozess und der Qualität des Unterrichts setzen.
    - im Team Unterrichtssequenzen anlegen, durchführen und reflektieren die Reflexion der eigenen Praxis für die Weiterentwicklung und Vorbereitung von Folgesequenzen nutzen.

  • III. Dynamische Diagnostik

    • das Wesen des Menschen in einem fortlaufenden, dynamischen Prozess erforschen*
    • Heilpädagogischer Kurs als Grundlage – Krankheit-Gesundheit, der Viergliedriger Mensch, Inkarnationsgedanken, Phänomenologie der Wesensglieder, Metamorphoselehre, Diagnose: durch Schauen, Waldorfpädagogik als Heilung
    • Grundphänomene übertragen auf die zeitgemäßen Begrifflichkeiten
    • Das karmische Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer
    • Schülerbetrachtung und Kinderbesprechung als Entwicklungsprozess
    • Verhältnis Therapieformen, Fördermaßnahmen und inklusiver Waldorfpädagogik

    Kompetenzen

    Die Studierenden können:
    - mit den erworbenen Kenntnisse das Wesen eines Menschen ersuchen, ohne auf eine standarisierte Diagnostik zugreifen zu müssen
    - sich mit dem karmischen Gedanken von Rudolf Steiner auseinandersetzen und diese als Grundgedanken für die Wesensbeschreibung des Menschen anwenden
    - eine dynamische Diagnostik durchführen und diese als gemeinsamen Prozess mit mehreren Pädagogen in einem individuellen Entwicklungsplan anlegen, kommunizieren und verantworten
    - unterscheiden zwischen therapeutischen, Förder- und pädagogischen Maßnahmen und diese im schulischen Zusammenhang einordnen und koordinieren

  • IV. Schulentwicklung

    • Umgang mit den Ressourcen
    • Umgang mit dynamischen Prozessen – Wirkungen auf Struktur, Kultur und Praktiken an einer Waldorf- und/oder heilpädagogischen Schule.
    • Vernetzung Schule und Außenwelt – außerschulische Lernorte, Qualifikationen, berufsvorbereitende Maßnahmen usw.

    Kompetenzen

    Die Studierenden können:
    - die Ressourcen der pädagogisch tätigen Akteure erkennen, einschätzen und für den Unterricht sinnvoll zusammenführen
    - Veränderungs- und Umsetzungsprozesse innerhalb einer Organisation reflektieren, auswerten und die daraus folgenden notwendigen Schritte einschätzen
    - in verschiedenen Settings die jeweils passende Kommunikationstechnik anwenden
    - außerschulische Lernorte denken und planen Alternativen zu den staatlichen Abschlüssen anbieten, berufsvorbereitende Maßnahmen planen und einleiten

  • V. Kunst als Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit

    • Audiopädie: Hörkunst – Schulung des Hörens
    • Entfaltung Schöpferischer Kräfte durch lebendiges Formzeichnen
    • Embodiment: Denken in Bewegung


    Kompetenzen

    Die Studierenden können:
    - Übungen selbst durchführen und integrieren mit dem Ziel, die eigene Wahrnehmungsfähigkeiten zu schulen

Umfang und Kosten

Der Aus- und Fortbildungsgang startet jährlich nach den Sommerferien und dauert 3 Semester. Er findet ganztägig am Freitag statt. Das erste Studienjahr umfasst ca. 30 Freitage, das zweite Studienjahr 18 Freitage.

In den Ferien und an den schulfreien Tagen finden keine Lehrveranstaltungen statt.

Die Teilnahmegebühr beträgt 800,00 € pro Semester.

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