Waldorfseminar Hamburg
Telefon: 040 / 88 88 86 – 10, E-Mail: mail@waldorfseminar.de

Spielzeit – Zeit verspielt?

Fachtagung zum kindlichen Spiel

“Der Mensch hört nicht auf zu spielen, weil er älter wird. Er wird alt, weil er aufhört zu spielen.”

Oliver Wendell Holmes

Von Lebensbeginn an ist Spielen die Grundform zwischenmenschlicher Begegnung. Doch die Bedeutung des kindlichen Spiels hat im Rahmen der entwicklungspädagogischen Praxis an Wert verloren.
Im Mittelpunkt unserer interdisziplinären Tagung steht deshalb „das Spiel“ – als Quelle für Motivation, Konzentration und Lernfreude. Diese Quelle im Spannungsfeld zwischen sich verkleinernder Frei-Zeit und stetig wachsenden medialen Angeboten zu erhalten, ist eine der wesentlichen Herausforderungen für die Gestaltung heutiger Kindheit. Spielen ist keine Spielerei, sondern in besonders ausgeprägter Weise ein selbstbestimmtes Lernen mit allen Sinnen, mit starker emotionaler Begleitung, mit geistigem und körperlichem Krafteinsatz.
In Vorträgen und Workshops gibt die Tagung einen Überblick über heutige Erkenntnisse zur Spielforschung und –begleitung und bietet vielfältige Möglichkeiten, diese Themen miteinander zu erarbeiten, vertiefen und diskutieren.

Flyer zur Tagung

Tagungsort

Seminar für Waldorfpädagogik Hamburg e.V.
Hufnerstraße 18, 22083 Hamburg

Das Tagungsbüro

ist ab November 2019 mittwochs von 10.30 Uhr -12.00 Uhr telefonisch erreichbar: 040 4208023, Ansprechpartnerin: Lilli Lafeld, lafeld@waldorfkindergarten-hh.de.
In den Hamburger Schulferien ist das Tagungsbüro geschlossen.

Das Anmeldeformular zum download finden Sie hier:

Das ausgefüllte Formular bitte digital an lafeld@waldorfkindergarten-hh.de oder in Papierform an Lilli Lafeld, Waldorfkindergarten Bogenstraße 45, 20144 Hamburg senden.

Anmeldeschluss: 10.03.2020

Im Folgenden finden Sie das Programm, die Vorträge und die zur Auswahl stehenden Workshops.

Vorträge

Spiel – ein Menschenrecht

Almut Strehlow, Dozentin am Rudolf Steiner Institut Kassel

Das Spiel in der Evolution und seine Bedeutung für die Entwicklung des Kindes

Dr. Bernd Rosslenbroich, Dozent an der Universität Witten Herdecke

Dialogischer Eigen-Sinn und schöpferische Entfaltung im Zusammen-Spiel – Salutogenetische Aspekte

Dr. med. Eckhard Schiffer, Chefarzt der Abteilung für psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik, Autor „Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde“

Workshops

W01

Marianne Tschan

Matsche Patsche, Stock und Gras

Das Spiel in der Natur

Was können wir Erwachsenen tun, dass sich freies Spiel in der Natur ereignen kann? Die Aufmerksamkeit schulen, die Natur erleben – eine Entdeckungsreise ins freie Spiel.
Bitte wetterangepasste Bekleidung mitbringen!

W02

Dr. Benedikt Burghardt

Musikalische Improvisation – spielerisch erfinden…

Musikalische Improvisation als Spiel mit den Elementen Rhythmus, Takt, Melodie, Harmonie und Form. Wir spielen an einfachen Instrumenten, die jeder bedienen kann. Gefragt sind: Gestaltungsfreude beim musikalischen Erfinden, Achtsamkeit im Miteinander sowie Wachsamkeit im gegenwärtigen Moment. Mit wenigen Spielregeln entstehen so jeweils einmalige Musikstücke im gemeinsamen musikalischen Flow.

W03

Irmgard Maria Beckert

Komm – wir spielen

Den eigenen Spielfaden wiederfinden

Kinder spielen sich ins Leben: sie sind „ganz drin“, freudig, forschend, zweckfrei, selbstvergessen und zugleich verbunden mit der Welt und den Mitmenschen. So bin ich als Erwachsener in meiner inneren Spielhaltung und -erfahrung Teil der Spielumgebung der Kinder.
Wir tauchen selbst ins Spielen ein, erkunden unsere eigenen Spielbiographie und tauschen uns über Erlebtes aus. Wann war/bin ich selbst ganz im Spiel? Herzlich willkommen!

W04

Susanne Ahrens

Die Qualität liegt in der Interaktion

Marte Meo: „Aus eigener Kraft“ nach Maria Aarts

Die Methode Marte Meo wurde entwickelt, um die natürliche Entwicklung von Kindern zu unterstützen. Ihr Anliegen ist es, Lernen spielend gelingen zu lassen, unsere Wahrnehmung zu schulen, eine Haltung zu verkörpern und auch zum Einüben von neuen Verhaltensweisen einzuladen.
Alle Kinder – und insbesondere sehr kleine – profitieren von Erwachsenen, die die kindlichen Initiativen in alltäglichen Spiel- und Lebensmomenten wahrnehmen und ihnen diese auf ganz unterschiedliche Weise spiegeln – bis sie spüren, „ich werde wahrgenommen“.

Marte Meo steht für eine Methode, die hilft unsere Wahrnehmung zu schulen, wachsamer für den Augenblick zu werden, für die Vielschichtigkeit eines Moments und unser eigenes Verhalten darauf abzustimmen.
Die Qualität unseres Handelns liegt im Interaktionsmoment. Mithilfe von Videoaufnahmen reflektieren und optimieren wir den Einfluss unserer täglichen Interaktion auf die Entwicklung unserer Kinder.

W05

Nicole Doose

Veränderte Kindheit und ihre Auswirkungen auf das Spielverhalten

Anhand der Resilienzforschung beleuchten wir Faktoren, die in den letzten Jahren zu Veränderungen in der Kindheit beigetragen haben. Insbesondere im Hinblick darauf, wie sie sich auf das Spielverhalten und die Phantasiekräfte der Kinder auswirken und wie wir dieser Entwicklung im pädagogischen Alltag begegnen können.

W06

Uwe Reisenauer

Ursprüngliches Spiel

Die verbindende Sprache des Lebens

Das Spiel kleiner Kinder kennt keine Gewinner oder Verlierer, es ist ohne besondere Absicht und entsteht aus dem Moment heraus. Das Spiel ist heilsam und berührend.
Der Workshop vermittelt ein neues Verständnis zur Bedeutung von Verbundenheit und Spiel in der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern. Mit fachlichen Informationen und praktischen Übungen werden Qualität und Kompetenzen im ursprünglichen Spiel erfahrbarer gemacht. Anwendungsbeispiele für Kita und Schule zur Gestaltung von Alltagssituationen veranschaulichen die Wirkungsweise spielerischer Prävention und Interventionen zur Verbesserung von Lernvermögen, Flexibilität und Selbstachtung, Inklusion, Beziehungsqualität, Sozialverhalten, Konflikthandlung und Verhinderung von Mobbing.

W07

Gerda Salis Gross

Spiel, die Sprache des Kindes

Spiel als Lebensbewältigung

Im bewegten Spiel machen wir eigene Spielerfahrungen und kommen so in Kontakt mit der Spielkraft in uns selbst. Spiel kann eine Möglichkeit von Lebensbewältigung sein, in der das Kind seine eigenen inneren Fragen bearbeitet. Das ist eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung seiner Autonomie. Was erzählt mir das Kind im Spiel? Anhand von Spielgeschichten schulen wir das Verständnis für die tiefere Bedeutung des Spiels. Austausch und Gespräche.

W08

Almut Strehlow

Spielfreude – finde ich sie in mir?

Einfache Erfahrungen – im Überspringen unserer Hemmungen – führen uns dazu, im Jetzt, in der Gegenwärtigkeit spielend anzukommen. Mit ursprünglichen Materialien kitzeln wir unsrer Phantasie hervor, um inneren Bildern zu begegenen.

W09

Annette Stroteich

Kommt, wir wollen „schön“ spielen –

Vom Ernst und Un-Ernst des Spiels

Wir beschäftigen uns mit Frage, welche inneren Haltungen und Erwartungen des Erziehers das Fließen der freien Spiel- und Handlungsimpulse der Kinder(-gruppe) unbewusst hindern und welche Bedingungen eine förderliche Spielatmosphäre ermöglichen und die Spiel-Lust unterstützen.
Immer geht es um den Prozess, in dem der Mensch seinen Horizont stückweise erweitert und sich dabei selbst vervollkommnet. Und das Ziel ist erreicht, wenn er dabei sein eigenes Wesen mit der Welt in Harmonie bringt“ (aus Richard David Precht; „Anna, die Schule und der liebe Gott“)
„Kinder sollen bis zum sechsten Lebensjahr 15.000 Std. gespielt haben = ca. 7Std./Tag!“ Fehlt das Spiel in der Kindheit – was fehlt dann im späteren Leben?!

W10

Dr. Gunter Keller

Spielend lernen

Freiheit, Intuition und Lernen auf der Grundlage der „Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners